Arbeiten

Vom Koch zum «Softie»

Christian Hefti über das Kochen und das Programmieren

Christian Hefti ist mit 32 schon Team- und Projektleiter bei der Hamilton Medical AG in Bonaduz. Was nach einer geradlinigen Karriere aussieht, war lange Zeit eine ziemliche Irrfahrt.

Es ist schwer, die beiden Welten zu vereinen. Denkt man an Softwareentwickler*innen, erscheinen junge Menschen vor dem inneren Auge, bei denen das Maximum der Nahrungszubereitung darin besteht, einen Schokoriegel auszupacken. Klischeeköchinnen und -köche hingegen stehen auf simple, echte Dinge wie Feuer und Wasser und Knollen aus der Erde, nur schon die Verwendung eines elektrischen Herds ist für sie genau genommen ein Frevel. Und dann ist da Christian Hefti: Softwareentwickler, früher Koch und noch früher Schulabbrecher.

 

Durchs Gamen auf IT gekommen

Auf seine ungewöhnliche Karriere angesprochen, muss er ein bisschen lachen. «Ich hatte eine relativ lange Findungsphase, nennen wir es mal so.» Hier eine Kurzversion seiner Geschichte – sie sollte übrigens allen Eltern, die sich Sorgen wegen der Plan- und Ziellosigkeit ihres jugendlichen Nachwuchses machen, als leuchtendes Beispiel für «es kommt schon gut» dienen: In der Kanti keine Lust mehr auf Schule, also abgebrochen. Dann eine Vermessungszeichnerlehre angefangen, keine Lust mehr auf Büro («die Sekunden schlichen dahin»), abgebrochen. Dann Lehre zum Koch, Spass an der Arbeit («immer Rambazamba»), aber keine Lust, das ein Leben lang zu machen, gekündigt. Dann BMS, ohne Plan.

«Während der BMS dämmerte mir so langsam, dass Informatik ein berufliches Feld ist, das ich vielleicht mal anschauen sollte», grinst Hefti.

«Es lag eigentlich auf der Hand: Seit mein Père einen PC heimgebracht hat, hatte ich extrem Freude daran. Ich war voll der E-Sportler, Counterstriker der ersten Generation. Und so lernte ich halt auch ein bisschen Programmieren – beim Gamen muss man immer wieder kleinere technische Probleme lösen.»

Jetzt, ein Bachelor-Studium und verschiedene Weiterbildungen später, ist Christian Hefti mit 32 Jahren Projekt- und Teamleiter bei Hamilton Medical in Bonaduz im Bereich der Softwareentwicklung, ein «Softie», wie sie sich untereinander nennen. Eine unwahrscheinliche Karriere – oder doch nicht? «Kochen und Programmieren haben durchaus Parallelen», sagt Hefti. «Man kann zum Beispiel eine Tomatensuppe machen aus Ketchup und Wasser, aber besser wird sie mit frischen Tomaten. Genauso kann man auch billige, schnelle Lösungen programmieren und qualitativ hochwertige. Und Software zu entwickeln, ist tatsächlich auch ein sehr kreativer Prozess. Einige von unseren Programmierenden sind richtige Virtuosinnen und Virtuosen, die haben ihren eigenen Stil wie Sterneköchinnen und -köche.»

 

Programmieren wie ein Sternekoch

Programmieren nimmt bei Hefti selbst nur noch etwa 20 bis 30 Prozent seiner Zeit in Anspruch, die Hauptaufgabe ist das Koordinieren der verschiedenen Aufgaben. Ein Beispiel? Er überlegt. «Wenn es etwa um ein Beatmungsgerät geht, das auch Daten sammelt und so den ‹sweet spot› des Luftdrucks finden soll, ab dem sich die Lunge am besten ausdehnt, dann müssen die Sensoren als logische Einheiten ...», und dann folgen noch ein paar Sätze, bei denen es Nicht-Informatikerinnen und -Informatikern in den Ohren rauscht und sie einen glasigen Blick bekommen. Hefti kennt diesen verständnislosen Gesichtsausdruck natürlich gut, mehr noch als andere Berufsgruppen leben Programmierende in einer eigenen Welt mit eigener Sprache.

 

Fachkräfte vernetzen

Genau deswegen hat er vor zwei Jahren mit ein paar Studienkollegen einen Verein gegründet: GRIT, kurz für Graubünden IT, will der IT-Kultur in Graubünden eine Plattform bieten und die Fachkräfte untereinander vernetzen. «Denn es sind echt viele, und es werden immer mehr. Die Branche in der Region boomt», erzählt er. Allein seine Abteilung bei Hamilton ist in den fünf Jahren, seit er dort ist, von 12 auf über 40 Mitarbeitende angewachsen. Immer in Entwicklung, immer am Wachsen, immer neue Herausforderungen – Christian Hefti hat mit Hamilton den Ort gefunden, an dem ihm nicht langweilig wird. Und last, but not least: «Das Essen in der Kantine ist auch sehr okay. Erstaunlich, was sie mit der Infrastruktur zu dem Preis hinkriegen.» Man kriegt den Mann aus der Küche, aber nicht den Koch aus dem Mann.

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